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Verantwortung für Recht und Demokratie
Auftakt zur 76. Hauptversammlung des Reformierten Bundes

Mit einem Eröffnungsgottesdienst in Nordhorn ist am 24. September 2026 die Hauptversammlung des Reformierten Bundes gestartet. Saskia Klompmaker, Pastorin der Evangelisch-altreformierten Kirchengemeinde Nordhorn, predigte über Psalm 85: „Güte und Treue begegnen einander, Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ Sie fragte, was Frieden bedeute, wenn zwar die Waffen schwiegen, die Wunden aber blieben. „Ich möchte Schalom. Ich möchte einen Frieden, der nicht nur bedeutet, dass die Waffen schweigen. Ich möchte den Frieden, in dem Gerechtigkeit und Friede sich wirklich küssen.“
Bis zum 26. September befassen sich die Teilnehmenden der Hauptversammlung des Reformierten Bundes unter dem Thema „Recht und Rechtsstaatlichkeit aus reformierter Perspektive“ mit der kirchlichen Verantwortung angesichts rechtsextremer Strömungen und Parteien in Deutschland. Gastgeberin ist die Evangelisch-altreformierte Kirche in Nordhorn.
„Wo müssen wir heute widersprechen?“
In seinem Bericht sprach Bernd Becker, Moderator des Reformierten Bundes, über die letzten zwei Jahre seit der letzten Hauptversammlung des Reformierten Bundes. Gesellschaftliche, politische und kirchliche Gewissheiten seien brüchiger geworden, so Becker. Krieg, Angriffe auf die demokratische Kultur, technologische Umbrüche, Klimawandel und Veränderungen in den Kirchen machten die Frage nach Orientierung dringlicher.
Becker sprach dabei auch über den Rechtsruck in Deutschland. Er erinnerte an die Barmer Theologische Erklärung von 1934 und Karl Barths Forderung nach „einem Minimum an Opposition gegen das ganze nationalsozialistische Regime“. Die Frage der Kirche heute, so Becker: „Wo müssen wir heute hören und unterstützen, widersprechen und öffentlich Verantwortung übernehmen?“ Gerade angesichts rechtsextremer Entwicklungen müssten Gemeinden wahrgenommen und unterstützt werden. Atomare Massenvernichtungswaffen bekräftigte Becker: „Massenvernichtungsmittel zerstören gerade das Leben, das sie schützen sollen.“
Evangelisch-altreformierte Kirche stellt sich vor
Pastor Gerold Klompmaker und Pastor Dieter Wiggers stellten die Evangelisch-altreformierte Kirche vor, die aus einer Gemeindebasisbewegung des 19. Jahrhunderts hervorgegangen ist. Ihr Selbstverständnis sei geprägt von Bekenntnisbindung, Gemeindefreiheit und starkem Zusammenhalt: „Wir sind bekenntnisgebundene Freikirche.“
Wie andere Kirchen stehe sie vor sinkenden Mitgliederzahlen, weniger Gottesdienstbesuch und fehlendem theologischen Nachwuchs. Zur Evangelisch-altreformierten Kirche gehören zwölf Gemeinden mit rund 3.230 Mitgliedern. Zugleich bleibe die Gemeinschaft prägend: „Wir als kleine Gemeinschaft sind füreinander da und wir müssen es wuppen.“
Oberkirchenrätin Ute Hedrich ermutigte in einem Grußwort zu Weltoffenheit und Zukunftsorientierung. Die Ergebnisse der Hauptversammlung sollten auch in die Gremien der EKD getragen werden. Sie zitierte den Theologen Jürgen Moltmann: „Werden wir Möglichkeitssucher für das Leben und die Gerechtigkeit.“
Der Reformierte Bund ist der Dachverband der etwa 1,5 Millionen reformierten Gemeindeglieder in Deutschland. Alle zwei Jahre tritt er zu seiner Hauptversammlung zusammen.
RB
Die Hauptversammlung steht unter dem Thema „Recht und Rechtsstaatlichkeit aus reformierter Perspektive". Vor Ort wird in einem Festakt außerdem die neubearbeitete Reformierte Liturgie, ein Standardwerk zur Gestaltung reformierter Gottesdienste, vorgestellt.



